Restaurant eröffnen: Voraussetzungen, Kosten & Standortwahl
Von der ersten Idee bis zum Mietvertrag: Was du wirklich brauchst, womit du rechnen musst – und warum der Standort die wichtigste Entscheidung von allen ist. Praxisnah, ohne Behörden-Deutsch.
1. Voraussetzungen: Was du brauchst, bevor es losgeht
Die gute Nachricht: Einen Meisterbrief brauchst du für die Gastronomie nicht. Ein paar Pflichten gibt es trotzdem – und sie unterscheiden sich je nach Bundesland und Kommune. Das hier ist die typische Liste; verbindlich sagt es dir dein örtliches Gewerbeamt.
Gewerbeanmeldung
Der Pflicht-Erste-Schritt beim Gewerbeamt deiner Stadt. Danach melden sich Finanzamt, IHK und Berufsgenossenschaft meist von selbst.
Gaststättenerlaubnis (Konzession)
Wer Alkohol ausschenken will, braucht in den meisten Bundesländern eine Erlaubnis – dafür sind u. a. ein Führungszeugnis, eine Auskunft aus dem Gewerbezentralregister und die Gaststättenunterrichtung bei der IHK üblich. Ohne Alkoholausschank ist es vielerorts deutlich einfacher.
Hygiene: Belehrung nach § 43 IfSG
Die Gesundheitsbelehrung beim Gesundheitsamt ist Pflicht für alle, die mit Lebensmitteln arbeiten – für dich und dein Team. Dazu kommen die Grundsätze der Lebensmittelhygiene (HACCP) im laufenden Betrieb.
Baurecht & Nutzung
Die Räume müssen für Gastronomie zugelassen sein (Nutzungsänderung!), dazu kommen Anforderungen an Lüftung, Brandschutz, Toiletten und ggf. Lärmschutz. Kläre das vor der Unterschrift unter den Mietvertrag – nachträgliche Umbauten sind einer der teuersten Gründerfehler.
2. Kosten: Womit du realistisch rechnen musst
Pauschale Zahlen sind unseriös – die Spanne reicht von der günstigen Übernahme eines laufenden Betriebs bis zum kompletten Neuausbau. Was sich aber immer gleicht, sind die Kostenblöcke:
Einmalig (Start)
- Kaution, ggf. Ablöse/Abstand für Einrichtung
- Küche & Ausstattung (gebraucht spart massiv)
- Umbau, Lüftung, Brandschutz
- Genehmigungen, Beratung, Eröffnungsmarketing
Laufend (jeden Monat)
- Miete/Pacht + Nebenkosten
- Personal (der größte Block)
- Wareneinsatz
- Versicherungen, GEMA, Energie, Software
Der unterschätzte Block
- Liquiditätsreserve für die ersten Monate
- Kaum ein Betrieb ist ab Woche eins voll
- Faustregel vieler Berater: mehrere Monatsmieten + Personalkosten als Puffer
Denk die Marge von Anfang an mit
Zwei Kostenfallen entscheiden später über deinen Gewinn: die Miete (siehe Standort unten) und – wenn du auf Lieferung setzt – die Plattform-Provisionen. Wie stark eine prozentuale Provision am Gewinn zehrt, rechnen wir hier vor: Provision bei Lieferplattformen – das Rechenbeispiel. Und welche Wege es neben den Plattformen gibt: Lieferando-Alternative – der Überblick.
3. Standortwahl: Die Entscheidung, die über alles andere bestimmt
Konzept, Karte und Preise kannst du jederzeit ändern – den Standort nicht. Deshalb gehört hier die meiste Sorgfalt hin. Die Standortanalyse für ein Restaurant braucht keine teure Agentur, aber sie braucht System:
Laufkundschaft & Zielgruppe – live prüfen
Stell dich zu verschiedenen Zeiten vor das Objekt: morgens, mittags, abends, am Wochenende. Wer läuft hier vorbei – und passt das zu deinem Konzept? Ein Mittagstisch-Konzept braucht Büros, ein Abendrestaurant Wohngebiete oder Ausgehmeile. Zähle konkret, statt zu schätzen.
Konkurrenz: Dichte ist nicht gleich Gefahr
Fünf Restaurants in der Straße können gut sein (Gastro-Meile zieht Gäste an) oder tödlich (fünfmal dasselbe Konzept). Entscheidend ist, ob dein Angebot eine Lücke füllt. Prüfe auch bei Google Maps, wie sichtbar und gut bewertet die Nachbarn sind.
Erreichbarkeit & Sichtbarkeit
Parkplätze, ÖPNV-Anbindung, Barrierefreiheit, Sichtbarkeit von der Hauptlaufrichtung – und bei Lieferkonzepten: Wie groß ist das Liefergebiet, das du von hier in 20–30 Minuten bedienen kannst? Ein Standort in zweiter Reihe kann funktionieren, braucht dann aber umso stärkere Online-Sichtbarkeit.
Miete gegen Umsatz rechnen
Rechne die Jahresmiete gegen deinen realistisch erwartbaren Umsatz – wenn die Miete davon einen zu großen Anteil frisst, rettet dich auch der beste Koch nicht. Kalkuliere konservativ: mit dem Umsatz eines durchwachsenen Monats, nicht des besten.
Der oft vergessene Standort: dein digitaler
Der zweite Standort deines Restaurants ist Google. Noch bevor Gäste an deinem Lokal vorbeilaufen, finden (oder übersehen) sie dich bei der Suche nach „Restaurant + Stadtteil“. Ein gepflegtes Google Business Profile und eine eigene, schnelle Website gehören deshalb zur Eröffnung wie der Mietvertrag – nicht als Nachrüstung im zweiten Jahr. Welche Hebel online wirklich wirken, liest du hier – und welche digitale Grundausstattung sich für den Start lohnt, hier.
4. Der grobe Fahrplan
- 1. Konzept & Businessplan: Zielgruppe, Karte, Preise, realistische Umsatzplanung – auch für Bank und Förderungen.
- 2. Standort prüfen (siehe oben) – erst analysieren, dann unterschreiben.
- 3. Genehmigungen parallel starten: Gewerbeamt, IHK-Unterrichtung, § 43-Belehrung, Nutzungsänderung – Behördenwege brauchen Vorlauf.
- 4. Finanzierung & Puffer sichern: Investition plus Liquiditätsreserve, nicht nur die Investition.
- 5. Digital von Tag eins: Google Business Profile anlegen, eigene Website live schalten, einheitliche Öffnungszeiten überall.
- 6. Eröffnen – und die ersten 100 Gäste zu Stammgästen machen: Das ist günstiger als jede Werbekampagne.
Du planst gerade deine Eröffnung?
Wir bauen dir Website und Bestellkanal, die vom ersten Tag an bei Google gefunden werden –
damit du dich um Küche, Team und Gäste kümmern kannst.
Häufige Fragen zur Restaurant-Eröffnung
Welche Genehmigungen brauche ich?
In der Regel: Gewerbeanmeldung, § 43-Belehrung beim Gesundheitsamt, bei Alkoholausschank je nach Bundesland eine Konzession samt IHK-Unterrichtung, dazu die baurechtliche Nutzungsgenehmigung. Verbindliche Auskunft gibt dein Gewerbeamt – die Anforderungen unterscheiden sich regional.
Was kostet die Eröffnung?
Von der günstigen Übernahme im niedrigen fünfstelligen Bereich bis zum sechsstelligen Neuausbau ist alles dabei. Wichtiger als die Summe: eine ehrliche Liquiditätsreserve für die Anlaufmonate.
Wie finde ich den richtigen Standort?
Laufkundschaft zu verschiedenen Zeiten selbst zählen, Konkurrenz und Lücke prüfen, Erreichbarkeit und Zustand der Räume bewerten – und die Miete konservativ gegen den erwartbaren Umsatz rechnen.
Brauche ich sofort eine eigene Website?
Ja. Gäste suchen neue Lokale zuerst bei Google. Google Business Profile plus eigene Website gehören zur Grundausstattung ab Tag eins – sonst überlässt du den ersten Eindruck den Portalen.
Hinweis & weiterführende Stellen
Anforderungen und Verfahren unterscheiden sich je nach Bundesland und Kommune; dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Gute erste Anlaufstellen: das Existenzgründungsportal des BMWK, deine örtliche IHK (Gaststättenunterrichtung) und dein Gewerbeamt.